Stockpiling Books To Build Me a Petestal?

19. Juni 2009 | Von andré | Kategorie: Listen

Da heißt das hier schon großspurig Bookstorecore und die wenigsten Beiträge drehen sich wirklich um Bücher. Ich bitte das nachzusehen, in letzter Zeit habe ich nicht wirklich Zeit gefunden um viel zu lesen. Ich kann es aber dem Christian gleichtun und zumindest aufschreiben, was hier noch ungelesen herumliegt. Ich meine, das ist ja auch immer so eine Art intellektuelle Selbstbeweihräucherung. Macht Euch nichts vor, persönliche Eitelkeiten sind selbstverständlich immer ein Motiv in Blogs wie diesem. ;-]

Also, was steht an?

Thor Kunkel – Endstufe
Eichborn – ISBN 3-8218-0752-9

Es war Christian, der mich nach meinem Plädoyer für „Kuhls Kosmos“ auf die Person Thor Kunkel aufmerksam machte. Der schreibt auch für die Junge Freiheit und ist entsprechend umstritten. Den Beginn dieser Diskussion könnte man in der Veröffentlich von Endstufe ausmachen. 2004 wurde dieser Roman ursprünglich von Rowohlt mit großem Tamtam angekündigt. Später hat sich der Verlag von dem Buch distanziert und es erschien letztlich bei Eichborn. Die Versprechen waren vollmundig: Ein völlig neuer Einblick in das Wesen der Protagonisten des III. Reiches, dazu Enthüllungen um die nebulösen Sachsenwald Filme [angeblich in den 40er Jahren produzierte Pornos].

Man weiß ja nicht erst seit Max Mosley, dass die Kombination von schwarzen Uniformen und Sexualität Interesse und Kaufkraft mobilisiert. So besehen, muss der Skandal einkalkuliert gewesen sein. Weil ich nicht vorgefertigte Meinungen übernehmen möchte, muss ich mir natürlich selbst ein Urteil bilden. Ich bin zu Hälfte durch und kann schon mal soviel sagen, dass das hier wohl ein künstlich produzierter Sturm im Wasserglas ist. Das Thema ist kontrovers, soviel muss einem klar sein, wenn man sich dessen annimmt. Der weinerliche Trotz und die verbalen Rundumschläge Kunkels wirken vor diesem Hindergrund ebenso grotesk wie die Mahnrufe der Sittenwächter. Soviel ich bis jetzt sagen kann, ist der Radau nicht mal gerechtfertigt. Später mehr..

Albert Speer – Der Sklavenstatt (Meine Auseinandersetzungen mit der SS)
Deutsche Verlags Anstalt – ISBN 978-3421060594

Seltsamer Zufall diese Beiden Bücher gleichzeitig zu lesen, für das Verständnis vielleicht aber ganz nützlich. Zur Person Albert Speer bin ich noch zu keinem endgültigen Urteil gekommen. Es ist in den letzten Jahren of versucht worden, seine Rolle im III. Reich zu ergründen. Als einer der wenigen Hauptangeklagten im I. Nürnberger Kriegsverbrecherprozess, der nicht zum Tod verurteilt wurde, ist man per se verdächtig. Über Schuld und Unschuld sollen an dieser Stelle andere befinden. Für mich ist die Person allein deswegen interessant, weil es wenig authentische Berichte aus dem Inneren des Machtzentrums dieser Zeit gibt und noch viel weniger mögliche Zeitzeugen einen ähnlichen Bildungshindergrund wie Speer hatten.

Wenn das auch nicht seine Absicht war, so zeigen doch besonders seine Spandauer Tagebücher das Groteske in den Personen der Handlungsträger des III. Reichs. Ich meine, es hat schon was Ernüchterndes, wenn zwei ehemalige Großadmiräle über die Flurreinigung in Streit geraden. Im Sklavenstaat geht es um die Auseinadersetzung innerhalb seines Amtes als Rüstungsminister mit der SS, die stets auch wirtschaftlich ihre ureigenen Interessen verfolgte. Das System von Kompetenzüberschneidungen, Machtgerangel, Intrigen und Allmachtsansprüchen wird hier recht scharf gezeichnet. Für das Verständnis der NS-Zeit ist das allemal interessant. Es wundert einen dann doch, wie weit dieses System bei all der Kabale gekommen ist. Es ergibt sich zudem aus der Systematik des Buches, dass man hier noch bedeutend mehr über Speers eigene Rolle in dieser Zeit erfahren kann, als in seinen Memoiren.

Richard Sennet
Handwerk – ISBN 978-3-8270-0033-0
Der flexible Mensch – ISBN 978-3833303425
Respekt im Zeitalter der Ungleichheit – ISBN 978-3-8333-0074-5
Alle im Berlinverlag erschienen.

Sennet ist gegenwärtig einer der populärsten Soziologen. Einer, der zudem stets bereit ist, über den Tellerrand seiner Wissenschaft zu blicken. Seine Niederschriften sind deshalb oft eine Melange aus wissenschaftlicher Abhandlung und gut lesbaren Essay. Vieles von dem, was den modernen Menschen so umtreibt, werden die meisten selbst erfahren haben. Wenn auch die wenigsten diese Dinge so präzise formulieren können wie Sennet. Im Fazit ist zu sagen, obwohl es dem Einzelnen selten bewusst wird, gibt es unmittelbare Zusammenhänge zwischen der Organisation einer Gesellschaft und dem menschlichen Seelenleben, seinem Wertesystem, ja seinem Befinden..

Paul Caine
Null auf Hundert – Ullstein – ISBN 3-548-23990-0
Totschlag – Pupl Master – ISBN 3-929010-30-0

Paul Caine ist nur eins von zahlreichen Synonymen des 1902 in Des Moines, Iowa geborenen George Carroll Sims. Als Paul Caine hat er sich in den späten 20er, frühern 30er einen Namen als Pulpwriter gemacht. Viel hat er nicht veröffentlicht: Einen Fortsetzungsroman und eine handvoll Kurzgeschichten im Black Mask Magazin. Seine Storys galten als die härtesten des Genres. Hier ist im Prinzip alles, was man von ihm ins Deutsche übersetzt bekommen kann. Das heiß, „Null auf Hundert“ ist inzwischen nur noch antiquarisch erhältlich.

Kinky Friedmann – Der Gefangene der Vandam Street
Haffmans bei Zweitausendeins – ISBN 978-3-86150-821-2

Der aktuell letzte Fall vom Kinkster, dem original Texas Jewboy. Da muss man nicht viel zu sagen. Kinky hat seine Fans..

Joseph Heller – Catch 22
Süddeutsche Zeitung Bibliothek – ISBN 978-3-86615-523-7

Viel zitierter Antikriegsroman, der schon mal mir dem braven Soldaten Schwejk oder Simplicissimus verglichen wird. Mir ist die Sprache ein wenig zu sehr auf witzig bis lakonisch gebürstet, deswegen bin ich bisher immer im ersten Drittel gescheitert. Wünscht mir für diesen Versuch mehr Glück!

Helmut Schmidt / Giovanni di Lorenzo – Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt
Kiepenheuer & Witsch – ISBN 978-3462040654

Auch das ist hinlänglich bekannt: Die gesammelten Kurzinterviews aus dem Magazin der Zeit, ergänzt um ein ausführliches, bisher unveröffentlichtes Interview. Das heb ich mir für besondere Momente auf!!

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