Das Gegenteil von gut ist gut gemeint?

4. Dezember 2009 | Von andré | Kategorie: Kultur

17.11.2009 – Heinrich Heine Haus:
Peter Stamm / Rosilene Luduvico
Ungefähre Landschaften. Eine Annäherung.

Einer gelegentlichen Oberflächlichkeit wegen, ging ich davon aus, dass es sich hierbei um eine Lesung handeln würde. Man kennt das ja: „Der und der liest da und da. Kommst du mit? Ja, ja – geht klar!“

Peter Stamm, sehr beliebt vor allem bei jüngeren Lesern, war mir bis dato kein wirklicher Begriff und das, obwohl er Schweizer ist. Meine, zugegeben etwas dürftige, Vorbereitung auf diesen Abend bestand darin, die ersten zwanzig Seiten von „An einem Tag wie diesem“ zu lesen. Aber warum sollte man sich nicht auch einmal überraschen lassen? Wenn es gut läuft, kann man einige Anregungen mitnehmen. Ist es für das Verständnis von Literatur doch oft hilfreich, etwas über den Autor zu erfahren und sei es auch nur ein vages Gefühl dafür, was für ein Mensch das ist.

Es war aber keine Lesung! Dieser Abend war Teil der Reihe „Kunst trifft Literatur“. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist deren Anliegen, durch den Diskurs von Autoren und bildenden Künstlern, ein tieferes Verständnis für das jeweilige Sujet zu ermöglichen. Ein hehres Ansinnen also! Veranstaltet wird diese Reihe vom Verein zur Förderung des Heinrich Heine Geburtshauses und der just dort befindlichen Buchhandlung Müller und Böhm. Die ist sehr schön und wohl sortiert, der Platz so etwas wie ein Fixpunkt im literarischen Leben der Stadt. In schöner Regelmäßigkeit finden dort Lesungen, Vorträge und Diskussionen statt.

Auch deshalb wir sollten dem Ort eine zweite Chance geben und erst dann bilanzieren, denn besagter Abend war – offen gesagt – grauenhaft schlecht und wirkte von Anfang an aufgesetzt und wie mit Gewalt in diese Form gezwungen.

Es sollten also Peter Stamm und die Malerin Rosilene Luduvico ins Gespräch treten. Die gebürtige Brasilianerin hat zum Teil in Düsseldorf studiert. Die Verbindung der beiden ist ein Text, den Peter Stamm für einen ihrer Kataloge schrieb. Zufällig hatte die Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf gerade den Ankauf eines ihrer Bilder subventioniert [knick, knack!!]. Das war wohl auch der Grund dafür, dass deren oberster Angestellter für Vermögensmanagement [der Name ist mir entfallen] ebenfalls ein paar einleitende Worte sprechen durfte. Achtung Dauerwerbesendung!

Einer schöner heller Raum, bestens gefüllt. Gefühlte Deutschlehrerquote im Publikum 35 Prozent. Das übrige Publikum bestand zum größeren Teil aus geladenen Gästen der Stadtsparkasse, Schmocks und Menschen, für die Kunst und Heiterkeit strikt zu trennende Begriffe sind.

Einleitende Worte nacheinander von Rudolf Müller – der später auch die Moderation übernahm – dem Stadtsparkassenobervermögensmanager und dem als Experten hinzugezogenen Generaldirektor der Stiftung Kunstpalast Beat Widmer. An jenem war einzig seine Schweizer Mundart erfrischend, der Rest war genau die zur Schau getragene Gelehrsamkeit, die das akademische Milieu beim Volk so suspekt macht. Natürlich vergaß der Meister auch nicht, eine seiner Publikationen zu erwähnen: Die Präzision der Unschärfe. Nun gut.

Herr Widmer und Herr Müller bleiben auf der Bühne, Künstlerin und Autor gesellen sich dazu. Die Gesprächsrunde hätte beginnen können, allein diesen Gefallen tat sie uns nicht. Der Diskurs wollte nicht in Gang kommen. Wir haben zwar gehört, wie es zu dem Text in besagten Katalog kam und wie Peter Stamm dabei vorgegangen ist, ja wir haben sogar den Text selbst gehört, nur erhellende Einblicke sind ausgeblieben. Frau Luduvico, sichtlich unsicher und verschüchtert, konnte auf die ausholend-impliziten Fragen einfach nichts antworten.

Da kam einem das schöne Badesalz Wort in den Sinn: „Kunst, mein Lieber, Kunst kann man nicht messen!!“ Manche Dinge lassen sich offensichtlich nicht in Worte fassen und so geriet die Malerin mehr und mehr an den Rand des Gesprächs. Einzig Peter Stamm, übrigens der sympathischste auf der Bühne, war immer wieder bemüht, sie ins Gespräch einzubinden. Es blieb bei ausladenden unparierten Vorlagen [Müller], selbstgefälligen Parlando [Widmer], schüchterner Hilflosigkeit [Luduvico] und der aufrecht-schweizerischen Haltung Peter Stamms, auch groteske Situationen zu durchstehen.

Schade!!

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