Doppellesung: Rayk Wieland und Jürgen Kuttner im Zakk 18.11.09

7. Dezember 2009 | Von andré | Kategorie: Kultur

Das Schicksal ist fair [hin und wieder zumindest] und deswegen hat es uns für das Fiasko im Heinehaus direkt am Folgetag entschädigt. Doppellesung im Zakk: Jürgen Kuttner und Rayk Wieland gemeinsam, wechselseitig und über Kreuz vortragend. Offen gesagt, wussten wir auch hier nicht so genau, was uns erwarten würde. Gekannt haben wir zu dem Zeitpunkt nur Herrn Kuttner, dessen Videoschnipselvorträge jeder einmal gesehen haben sollte.

Das Zakk lud an diesen Abend in den kleinen Saloon. Der bietet für Veranstaltungen dieser Art genau das richtige Ambiente. Ich schätze, dass so etwas 80 Leute da waren und keine 20 weiteren mehr reingepasst hätten. Eine kleine Bühne vorn, in die Stuhlreihen immer mal ein Tisch für Getränke integriert, nicht zu hell – eine angenehme Clubatmosphäre also. Auch das Publikum kam mir recht umgänglich vor. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, wann mich mein Vordermann mal gefragt hat, ob ich genug sehen könne.

Rayk Wieland macht den Anfang mit seinem Buch, „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“. Das heißt, er hat nicht etwa direkt und stur drauflos gelesen, sondern uns erst einmal zum Sujet hingeführt. Wir haben erfahren, dass es sich hierbei um einen geheimen Besteller handelt und was ein solcher eigentlich ist. Die Bildzeitung, sagte er, würde, müsste sie den Inhalt des Buches in einer Schlagzeile verdichten, wahrscheinlich zu folgender Formulierung greifen: „Irres Stasiopfer will Mauer wiederhaben“.

Bis zur Pause nach ca. einer Stunde hat er gelesen, erklärt, Teile der Handlung frei wiedergegeben und Gedichte aus dem Buch rezitiert, dann übernahm Jürgen Kuttner.

[Ich möchte an dieser Stelle nicht auf den Inhalt der Bücher eingehen. Das würde ich gern separat und etwas ausführlicher tun. Vielleicht reicht erst einmal die Information, dass ich beide Bücher nicht kannte, beide erworben und binnen einer Woche gelesen habe.]

Bei dessen „Die Geburt des radikalen Islamismus aus dem Hüftspeck des deutschen Schlagers und andere west-östliche Denkwürdigkeiten“ handelt es sich im Prinzip um eine Buchversion seiner Videoschnipselvorträge. Da fragt man sich vielleicht, ob das funktionieren kann. Immerhin leben diese Vorträge auch von seiner Wortgewalt und einem gewissen Tempo der Ansprache. Ich darf verraten, es funktioniert. Sehr gut sogar!

Locker ging es also zwischen den beiden hin und her. Locker war die gesamte Atmosphäre. So würde man das auch seinem Freundeskreis in geselliger Runde vortragen. Zwischenbemerkungen, kleine Neckereien – lebendig eben. Natürlich haben wir einen Videoschnipsel gesehen. Auch ein Bild, das in Wielands Geschichte eine gewisse Rolle spielt, wurde zum besseren Verständnis an die Wand projiziert. [Im Buch ist es natürlich ebenfalls abgedruckt.] Auf keinen Fall kann man sagen, hier hätten nur zwei Typen nacheinander aus ihren Büchern vorgelesen.

Zwei kurzweilige Stunden! Und da man sich in den vorangegangenen Tagen nur schwerlich der medialen Dauerberieselung zur Wiedervereinigung entziehen konnte, war dieser Abend eine Wohltat in doppelter Hinsicht. Er war heiter ohne banal zu sein und der ein oder andere Gedanken wurde auch noch angestoßen.

Jederzeit wieder!!

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